Ochs am Spieß – Von der Kraft der Zuversicht und dem Mut zur Demokratie

Serbien dient auch Österreich als Vorbild. Unter schwierigen Bedingungen hat sich in Serbien eine breite Allianz für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebildet. Ihr Erfolg macht Mut und zeigt, welche Kraft gemeinsames Engagement entfalten kann. Zeit, dass auch in Österreich ein Aufbruch stattfindet, zur Resignation gibt es keinen Grund.

Rund um die Tage der serbischen Parlamentswahl im Oktober war eine Frau aus meinem Bekanntenkreis auf Besuch in ihrem Geburtsort, tief in der serbischen Provinz. Nach dem Wahlsieg der Studierendenliste, so berichtet sie, breitete sich im Dorf eine lange nicht gesehene Euphorie aus. Ein Ochs wurde geschlachtet, das Dorf feierte einen Tag lang. Diese Erzählung belegt das Ausmaß des Vertrauens, das sich die Studierendenliste im Land erworben hat, weit über die urban-intellektuellen Zirkel hinaus. Das ist erstaunlich, wo doch in den meisten Ländern das Stadt-Land-Gefälle im Wahlverhalten gerade in diesen autoritären Zeiten stark ausgeprägt ist. Während die europäischen Großstädte grün-links-liberal bestimmt sind, wählt die Bevölkerung vieler ländlicher Regionen ganz anders und tendiert zu autoritären Listen. Das lässt sich in Österreich genau so beobachten wie in Deutschland, Polen oder Frankreich. Der serbischen Studierendenbewegung ist es gelungen, ein ganzes Land zu drehen, einem ganzen Land den Glauben an demokratische Prozesse und Institutionen zu geben. Bei der Parlamentswahl 2020 hatte die Liste des Autokraten Aleksandar Vucic noch 60% erzielt. 2026 erzielte die Studierendenliste mehr als 53%.

Dieser Erfolg gelang der Studierendenbewegung in einem Land, das unter weitverbreiteter Korruption, niedrigen Löhnen und wirtschaftlichen Problemen leidet. Die Bewegung schaffte es, neue Hoffnung und Zuversicht zu wecken und Vertrauen in die Möglichkeit demokratischer Veränderungen zu erzeugen.

Diese Stimmung steht im auffälligen Gegensatz zu Staaten wie Österreich, die über wesentlich stärkere Wirtschafts- und Sozialsysteme verfügen, in denen sich aber Pessimismus und Apathie in der Bevölkerung breit machen. Auch wenn eine klare Mehrheit in Österreich und Deutschland vom demokratischen System überzeugt ist, halten Viele es dennoch für unaufhaltsam, dass FPÖ bzw. AfD künftig die Regierung anführen werden. Die Medien treiben diese negative Dynamik an, indem sie traditionelle Parteien, egal wie gut diese arbeiten, schlecht reden.

Die Wahl in Serbien wirkt weit über das Land hinaus, weil sie der Bevölkerung in Ländern wie Österreich zeigt: es gibt eine Alternative zum autoritären Regieren, auch mit dem Werben für Demokratie und Rechtsstaat lassen sich Begeisterung und Zuspruch auslösen. Und Serbien steht nicht allein: im April 2026 wurde Ungarns autoritärer Ministerpräsident Orban abgewählt, auch Brasilien hat sich 2026 in einer Richtungsentscheidung für den demokratischen Kandidaten entschieden. Die Midterms in den USA gerieten zum Debakel für Trump und seine unterstützenden Milliardäre. Bis zur Wahlniederlage Orbans schien es so, dass die autoritäre Welle, die über den Globus läuft, derzeit einfach nicht zu brechen ist. Spätestens nach den Wahlen in Serbien, Brasilien und den USA ist klar: der Erfolgslauf der autoritären Rechten und Populisten kann gestoppt werden. Selbst unter schlechten Rahmenbedingungen, unter weitgehend gleich geschalteten Medien. Entscheidend ist, dass sich viele Menschen verbinden und solidarisieren. Das politische Interesse ist groß und der Widerstand gegen autoritäres Regieren ebenso. In Serbien war die Wahlbeteiligung mit rund 70% die höchste in der Geschichte des Landes. In Brasilien konnte Lula das Wahlergebnis im Zweiten Wahlgang drehen. Auf einmal gibt es global wieder Zuversicht für alle, die an die Demokratie glauben. Die Wahl in Serbien spendet Hoffnung für ganz Europa.

Doch was lässt sich konkret für Länder wie Österreich lernen? Dazu sind zunächst die Gründe für den Erfolg ausländischer, vor allem der serbischen Demokratiebewegung zu analysieren. Ihr Erfolg geht in erster Linie auf harte Arbeit zurück. Knapp zwei Jahre lang waren die Studierenden im ganzen Land unterwegs (so wie auch die Demonstrationen gegen Netanyahu in Israel über rund zwei Jahre stattfanden und den autoritären Regierungschef zumindest nachhaltig schwächten). Und eben nicht nur in den Städten, sondern tatsächlich in den meisten Dörfern und Kleinstädten. Nach Kundgebungen haben die Studierenden die Straßen gereinigt, auch jetzt nach dem Wahlerfolg organisiert man sich zur Reinigung und Verschönerung öffentlicher Orte. Dieser Zugang beeindruckt weite Teile der Bevölkerung. Die über knapp zwei Jahre aufgebaute Präsenz in vielen Landesteilen, die unzähligen Gespräche mit Wählerinnen und Wählern waren zentral ausschlaggebend für den Wahlerfolg; ergänzt durch eine enorme, professionell aufgesetzte Social Media-Präsenz. Diese Nähe zur Wählerschaft unterscheidet sich nicht sehr vom Konzept der rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien von FPÖ bis AfD, deren Erfolg auch auf die starke Präsenz in den Dörfern und auf viele persönliche Kontakte sowie gute Social Media-Arbeit zurückgeht. Die Studierendenbewegung war charakterisiert von perfekter Organisation, Effizienz und Konsequenz im Protest. Ihre Kerninhalte waren die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien, die Bekämpfung von Korruption und die Stärkung der Institutionen.

Sowohl politische Parteien wie SPÖ und ÖVP als auch die österreichische Zivilgesellschaft könnten sich an den Konzepten der serbischen Demokratiebewegung orientieren. Die serbische Erfahrung zeigt zunächst: die Bekämpfung autoritärer Politik bedarf einer klaren Strategie, Ausdauer, Leidenschaft und einer landesweiten Präsenz. Demokratiebewegungen und demokratische Parteien, die den autoritären Parteien etwas entgegensetzen wollen, müssen nah an den Menschen sein und viele Kontakte auch in den ländlichen Regionen aufbauen. Würde eine Partei wie die SPÖ geeint und durchgehend mit dem Einsatz und der Leidenschaft der serbischen Studierendenbewegung um Stimmen werben, dann wäre sie wohl auf Grund ihres hohen Organisationsgrads und ihrer immer noch hohen Mitgliederzahl rasch auf einem hohen Wähleranteil. In den letzten Jahrzehnten konnten weder SPÖ noch ÖVP ihren eigenen Apparat entsprechend motivieren. Die Apparate agieren in der mittleren und oberen Ebene all zu oft selbstgefällig und lustlos: ein Teil des Apparats engagiert sich bei Landtagswahlen, ein anderer Teil bei den Nationalratswahlen. Im Kampf um Demokratie und Rechtsstaat ist das nicht genug: es müssen breite Bündnisse aufgestellt werden, innerparteilich, und noch besser, parteienübergreifend unter allen Listen, die sich zum aktuellen demokratischen System bekennen. Dabei ist es in Österreich fatal, dass die ÖVP auf Bundesebene die Abgrenzung zur FPÖ nicht schafft.

Es hat in Österreichs jüngerer Geschichte immer wieder Momente gegeben, wo breite Allianzen gelungen sind. Erfolgreich war eine solche Allianz etwa bei der Bundespräsidentschaftswahl 2016, als sich Alexander Van der Bellen in der Stichwahl gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer durchsetzte. Die Wahlentscheidung war vor allem der positiv und lustvoll agierenden Graswurzelbewegung für Van der Bellen zu verdanken und der starken Mobilisierung in der Zivilgesellschaft. Ein Wahlerfolg Hofers hätte Österreich durchaus in eine Ungarn vergleichbare autoritäre Ära führen können. Auch nach der Nationalratswahl 2024 stand viel auf dem Spiel, und nach langem Ringen kam es zur aktuellen Dreierkoalition. Die Verhinderung des FPÖ-Kanzlers war nur durch den starken Einsatz ganz Vieler in politischen Parteien und Zivilgesellschaft möglich und durch einen gemeinsamen Geist der Führungskräfte bei ÖVP, SPÖ, Neos und Grünen. Beide Erfahrungen geben Anlass zur Zuversicht: Gerade wenn die Demokratie ernsthaft unter Druck gerät, erkennen Menschen, was auf dem Spiel steht und werden aktiv.

Umso unverständlicher ist die resignative Stimmung, die sich derzeit in Österreich breitmacht. Sie ist nicht nur unbegründet, sondern auch gefährlich. Das Land hat beste Voraussetzungen für eine gute Zukunft, sowohl von seiner Wirtschaftskraft als auch von seiner demokratisch-institutionellen Struktur her. Es benötigt nur etwas von der Leidenschaft und vom Optimismus der serbischen Demokratiebewegung.

Es sind noch drei Jahre bis zur nächsten Nationalratswahl. Zeit genug, um Allianzen für Demokratie und Rechtsstaat zu bilden und in tausenden Veranstaltungen im ganzen Land dafür zu werben. Das sollten ÖVP, SPÖ, Neos und Grüne am besten gemeinsam in einem neuen Format versuchen. Und wenn sie den Ernst der Lage für die Demokratie nicht erkannt haben, worauf einiges hindeutet, dann muss die Zivilgesellschaft das übernehmen und Konzepte aus Ungarn, Serbien, Brasilien übernehmen. Denn auch in der Zivilgesellschaft kämpfen zu viele getrennt für dasselbe Ziel; es braucht aber die große Gemeinsamkeit und die gemeinsame Plattform (und zwar in jeder Hinsicht, auch auf Social Media, wo alle getrennt agieren), um erfolgreich zu sein. Und es sollte auch eine Generationenablöse geben und starke jüngere Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Kultur, Wissenschaft eine sichtbare Rolle spielen. Vielleicht benötigt eine breite Demokratiebewegung eine völlige personelle Neuaufstellung, so wie das die serbische Demokratiebewegung, aber auch die US-Demokraten vorgezeigt haben.

Die Zahl der Menschen, die keine rechtsextreme Regierung wünschen, liegt recht stabil im Bereich von zwei Drittel. Das sind gute Voraussetzungen dafür, rechtsextreme Regierungsbeteiligungen abzuwenden. Alles deutet darauf hin, dass das Rezept der serbischen Demokratiebewegung auf andere Länder übertragbar ist. Nutzen wir die Zeit bis zur nächsten Wahl, um diese Kraft auch in Österreich zu entfalten, mit Leidenschaft für die Demokratie einzutreten und eine breite demokratische Allianz zu schmieden. Denn die Demokratie braucht nicht nur unseren Einsatz, sondern auch unsere Zuversicht, dass wir gemeinsam etwas bewegen können.

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podcast-Start: Werkstattgespräch mit Andrea Maria Dusl

Der Kunstverein Wien – Alte Schmiede baut mit Beginn der neuen Programmsaison sein Angebot aus. Das Gesprächsformat „Freitagsgespräche“ wird um einen Podcast ergänzt.

In der allerersten Folge hatte ich das Vergnügen und die Ehre, mit Andrea Maria Dusl zu sprechen. Das Gespräch ist auch auf spotify und youtube verfügbar.

Andrea Maria Dusl ist eine der vielseitigsten und wichtigsten Persönlichkeiten in der österreichischen Kunst. Die Wiener Autorin, Regisseurin und Zeichnerin äußert sich regelmäßig gesellschaftspolitisch, lehrt als Kulturwissenschaftlerin, und ist erster Gast unseres neuen podcasts. Ich konnte mit Andrea Maria Dusl über ihre Bücher und Texte, ihren Film „Blue Moon“ und ihre Arbeitsweise. Ein großer Teil des Werks von Andrea Maria Dusl ist auf der Website der Künstlerin dokumentiert:

https://bureau.comandantina.com/

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Die Klimakatastrophe braucht auch Antworten auf die soziale Frage

Kommentar der Anderen für den Standard vom 16.8.2026 (Papierausgabe 17.8.2026)

Die Schere zwischen wohlhabenden und weniger wohlhabenden Menschen droht weiter auseinanderzugehen. Die Klimaveränderungen schaffen neue soziale Probleme

Niedrigwasser am Rhein bei Köln: Blick auf eine trockengelegte Sandbank mit zwei Spaziergängern. Im Hintergrund fließt der stark zurückgegangene Fluss. Die Schifffahrt ist durch den niedrigen Wasserstand eingeschränkt.
Der allgemeine Wassermangel führt auch in der landwirtschaft zu erheblichen Problemen.
IMAGO/Jochen Tack

Die Rekordtemperaturen der letzten Wochen, die Bilder der verdorrten Felder und der Waldbrände quer durch Europa stehen in einem seltsamen Kontrast zum Phlegma der Politik. Was Europa im Sommer 2026 klimamäßig erlebt, ist teilweise dystopisch. Die höchsten Temperaturen liegen, sowohl bei Tag als auch bei Nacht, gleich mehrere Grad über dem, was man bisher kannte. Laut Wissenschaft steht in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren nochmals ein vergleichbarer Anstieg der Höchsttemperaturen bevor. Er wird unseren Alltag völlig verändern.

Bereits jetzt mindern Hitze und Trockenheit auch in Österreich die Lebensqualität vieler Menschen, gefährden Existenzen und führen zu vielen Hitzetoten. Bei Katastrophen anderer Art, von Terrorakten bis zu Zugunfällen, hätte die Politik – bei viel geringeren Opferzahlen und Schäden – längst Maßnahmenpakete beschlossen. Einzelne Politiker:innen haben freilich seit Jahren gewarnt: von Bundespräsident Van der Bellen über die Grünen bis zu Vizekanzler Babler drängen viele seit langem auf entschiedenere Klimamaßnahmen. Und es passiert bereits einiges: Die Wiener Stadtregierung investiert seit Jahren massiv in Nachhaltigkeit, Hochwasserschutz und Ausbau der Trinkwasserreserven. Aber 2026 lehrt uns: Wir müssen viel mehr viel schneller in die Wege leiten.

Unterschiedliche Lebenserwartung

Der Klimawandel (besser: die Klimakatastrophe) wirft, auch das sehen wir im Sommer 2026, soziale Fragen neu auf. Die Klimaveränderungen haben das Potenzial, Unterschiede in den Lebensumständen verschiedener Bevölkerungsgruppen drastisch zu verschärfen. Unterschiedliche Lebensumstände haben bereits jetzt große Divergenzen in der Lebenserwartung zur Folge – selbst innerhalb derselben kleinen Region. So fällt in Wien die Lebenserwartung in den einzelnen Gemeindebezirken nach den Daten des Jahres 2023 weit auseinander: die Unterschiede betragen 3,7 Jahre bei Frauen und bis zu acht Jahren bei Männern. Während z.B. in den Wiener Bezirken Innere Stadt und Josefstadt Männer eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84,4 beziehungsweise 82,9 Jahren haben, liegt die Lebenserwartung von Männern im Bezirk Simmering bei 77,6 Jahren, in Meidling bei 76,5 Jahren und in Rudolfsheim-Fünfhaus bei 76,4 Jahren.

Die Wissenschaft führt diese Differenzen auf soziale und gesundheitliche Ungleichheiten zurück. Auch wenn sich aufgrund der schweren Zuordenbarkeit einzelner Faktoren auf die Lebenserwartung kaum haltbare Prognosen machen lassen, so ist es doch offensichtlich, dass öfter wiederkehrende, lang anhaltende Hitzeperioden wie im Jahr 2026 das Potenzial haben, diese Unterschiede in der Lebenserwartung und im Gesundheitsprofil weiter zu vergrößern.

Eine vertrocknete Parklandschaft mit gelblichem Gras und rissigem Boden, verursacht durch anhaltende Hitze und Trockenheit in London. Im Hintergrund sind Bäume und vereinzelte Gebäude zu sehen.
In der Klimakatastrophe wird offenbar die Dramatik der sozialen Frage übersehen.
IMAGO/Rasid Necati Aslim

Warum wird die Dramatik dieser sozialen Frage weitgehend übersehen? Vielleicht, weil Politik und Journalismus jenem Bevölkerungsteil angehören, der sich die Wochen der Hitze meist vergleichsweise erträglich gestalten kann. Durch eine Wohnung, die über Klimaanlage, Balkon oder Terrasse verfügt. Durch klimatisierte Büros, Urlaube oder Zweitwohnsitze im Grünen, wo man in den Nächten besser schläft, einen Pool hat und aus dem Home Office arbeitet.

Repräsentativ ist diese Lebensrealität jedoch nicht, zumindest nicht für die Bevölkerung der Städte. In Wien hat etwa die Hälfte des Wohnungsbestands weder Balkon, Loggia noch Klimaanlage. Hunderttausende Menschen arbeiten entweder körperlich im Freien oder an nicht klimatisierten Arbeitsplätzen. Der Sommer 2026 in einer kleinen Wohnung in Wien ohne Balkon, mit Kindern, mit einem Job am Bau oder im Freien, in der Landwirtschaft, in der mobilen Pflege oder im Zustelldienst: Für viele Menschen sind diese Wochen gerade mit extremen Belastungen und Beeinträchtigungen verbunden.

Unterschiedliche Auswirkungen

Die Klimaänderungen werden die gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt verschieben. Es zeigt sich schon in diesem Sommer, dass manche Tourismusregionen wenig von der Hitze betroffen sind, andere aber bis zur Hälfte ihrer Gäste verlieren (etwa in der Donauregion).

Die Landwirtschaft ist ganz besonders von den Folgen der Hitze betroffen. Die Lage der kleinen und mittleren bäuerlichen Betriebe, die es im Wettbewerb mit den Großbetrieben schwer genug haben, verschärft sich. Zur Belastung durch die körperliche Arbeit im Freien kommen für die Landwirtschaft Ernteausfälle durch Dürre und Hitze dazu. Aus Mangel an Wasser und Nahrung für die Tiere mussten viele Bäuerinnen und Bauern 2026 den Almbetrieb mitten im Sommer abbrechen. In Zukunft werden in vielen Regionen Österreichs Investitionen in Bewässerung und eine Umstellung der Kulturen notwendig werden. Es stellt sich die Frage, ob nicht ein Grundeinkommen zur Abgeltung der Landschaftspflege den kleinen landwirtschaftlichen Betrieben zumindest die Sorge um die wirtschaftliche Existenz nehmen sollte.

Fenster eines gelben Gebäudes, verhängt mit Alufolie als Schutz vor Sommerhitze. An einem Fenster hängt eine Progress-Pride-Flagge. Im Vordergrund sind teils unscharfe Äste zu sehen.
Menschen versuchen sich mit improvierten Lösungen zu helfen, nicht jeder kann sich eine Klimaanlage leisten.
APA/GEORG HOCHMUTH

Die Politik ist gefordert, Lösungen zu finden. Etwa Menschen in prekären Arbeits- und Wohnumgebungen so schnell wie möglich besser zu schützen. Bisher wird vor allem der Einbau von Klimageräten diskutiert. Es wird sehr viel mehr an Maßnahmen benötigen: Von der Schaffung kühler öffentlicher Aufenthaltsräume bis hin zu einer beschleunigten Entsiegelung, verpflichtenden Balkonen bei Neubauten, neuen Arbeitsschutzregeln für Jobs im Freien, reduzierten Arbeitszeiten in Hitzewochen bis hin zu mittel- und langfristigen Maßnahmen zur Sicherung der Klimaziele.

Kluge Klimapolitik?

Das alles ist auch aus (grund)rechtlicher Sicht geboten: das Recht auf Leben und das Recht auf Gesundheit verlangen nach einem Handeln der Politik, auch wenn das diesbezügliche Bewusstsein bei den Gerichten hierzulande erst im Entstehen ist. Nebeneffekt kluger Klimapolitik für die Regierung: Wirksame Maßnahmen zur Linderung der Folgen des Klimawandels können dem Rechtspopulismus den Wind aus den Segeln nehmen, der zu diesem zentralen Zukunftsthema weder Position noch Konzepte hat.

Von den Klimaveränderungen ausgelöste soziale Fragen könnten für die nächsten Jahrzehnte prägend werden. Aktuell bestimmen noch Einkommen und Vermögen darüber, wer während der Hitze und bei Klimaextremen würdig und gut leben kann – dank Klimaanlage, Pool, Zweitwohnsitz und Urlauben. Die Schere in der Lebenserwartung und im Gesundheitsprofil zwischen wohlhabenden und weniger wohlhabenden Menschen droht weiter auseinanderzugehen. Bewohner:innen von Wohnungen ohne Balkon und Klimaanlage, alle Menschen, die im Freien arbeiten, Bäuerinnen und Bauern sind in diesem Jahr schon massiv betroffen. Mit dem Gegensteuern sollte die Politik besser heute als morgen beginnen. (Oliver Scheiber, 16.8.2026)

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Der Soldatenfriedhof in Neulengbach im Wienerwald ist nur einer von vielen solcher Friedhöfe, die über Österreich verteilt sind. Er erinnert uns nicht nur an die Schrecken des Krieges, sondern auch an das schwierige Verhältnis Mitteleuropas zu Russland.

480 russische Soldaten sind allein in Neulengbach begraben. 480 wohl überwiegend junge Menschen, die weit weg von ihren Familien gegen die Wehrmacht der Nazis gekämpft und dazu beigetragen haben, dass Österreich nach 1945, dass wir alle heute noch in Demokratie und Frieden leben konnte. Diese Rolle Russlands als Befreier vom Nationalsozialismus ist kaum im Bewusstsein der Österreicher:innen. Im Bewusstsein ist auch nicht die Dimension der Verbrechen, die Nazi-Deutschland in Russland verübt hat: mehr als 1 Million Menschen sind allein in St. Petersburg während der Belagerung durch die NS-Truppen gestorben. Die Zahl der Toten ist so hoch, dass sie unsere Vorstellungskraft übersteigt.

„Hier ruhen 480 Soldaten und Bürger der Sowjetunion, die durch die Auswirkungen des 2. Weltkrieges ihr Leben verloren haben“ heißt es auf der Tafel am Friedhof von Neulengbach. „Auswirkungen des 2. Weltkrieges“ ist die verharmlosende Umschreibung der Verbrechen der Nationalsozialisten.

Die Tafel drückt auch aus, dass man es nicht schafft, Russland, oder zumindest den gefallenen Sowjetsoldaten, Respekt zu zollen. Es ist wohl so, wie es die Schriftstellerin Andrea Dusl beschrieben hat: „ Immer kam der Russe. Wenn man in Wien wohnte. In jeder Erzählung kam der Russe. Tatsächlich war der Russe aber nur einmal gekommen. Und nie wieder. Hatte die Wiener von den Faschisten befreit. Das haben die Wiener dem Russen nie verziehen. Die Faschisten haben die Wiener eigentlich ganz gern gehabt. Den Russen nicht. Vor dem Russen haben die Wiener Angst gehabt. Und diese Angst haben die Wiener in ihren verluderten Herzen bewahrt.“

Es sollte nicht so schwer sein, die Verbrechen der Nazis zu benennen und die Leistungen der Sowjetunion zur Befreiung Österreichs zu würdigen. Beides schließt nicht aus, den Angriff des heutigen Russlands auf die Ukraine als Verbrechen zu qualifizieren. So wie es wichtig ist, die Leistungen der USA zur Befreiung zu würdigen und den Marschall-Plan, mit dem die USA wesentlich zum Aufstieg und Wohlstand der Zweiten Republik beigetragen haben. Auch das kann man würdigen und gleichzeitig sehen, wie die USA unter Trump die Demokratie verlieren, Völkerrecht brechen und Kriegsverbrechen begehen.

Die Erinnerung an 1945 macht uns auch bewusst, wie die Welt sein könnte. Wenn Großmächte Seite an Seite für Freiheit und Menschenrechte kämpfen.

Den im Krieg gefallenen Menschen der Befreiungsmächte, die in Österreich begraben sind, sollten wir öfter und sichtbarer gedenken. Ihr Sterben sollte uns eine bleibende Mahnung sein.

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Das Haus der Geschichte in Zwentendorf

Zwentendorf in Niederösterreich ist vielen Österreicherinnen und Österreichern für sein Atomkraftwerk bekannt, das niemals in Betrieb gegangen ist. Die österreichische Bevölkerung hat die Inbetriebnahme nach Fertigstellung des Kraftwerks im Jahr 1978 in einer Volksabstimmung abgelehnt.

Das Kraftwerk steht heute noch da, direkt an der Donau. Im Sommerhalbjahr kann man, direkt vor dem Kraftwerk, in der Bärndorferhütte einkehren; ein circa 200 Jahre altes Bauernhaus, das im Jahr 2002 im Kärntner Lavanttal abgetragen und hier, direkt am Donauufer, wieder aufgebaut wurde.
https://www.baerndorferhuette.at/

Ein wahres Juwel, die eigentliche Überraschung, findet sich aber in der Ortsmitte von Zwentendorf. Direkt an das Rathaus der Gemeinde angeschlossen ist das Haus der Geschichte. Man hat sich nicht verlesen: Zwentendorf hat ein Haus der Geschichte. Seine Didaktik, seine Architektur, Ausstattung, Bestand und seine Erzählungen sind beeindruckend. Die Gemeinde spart ganz offensichtlich nicht bei der Darstellung ihrer Geschichte; und die ist vielfältig, vielschichtig und spannend. Das Museum beginnt Das Haus der Geschichte in Zwentendorf weiterlesen →

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