Nachtschicht – Gespräche vom Jänner 2021

Die 1. Staffel der Gesprächsreihe #Nachtschicht in der Alten Schmiede in Wien ist abgeschlossen – danke allen Gästen und allen, die uns zugehört haben. Die Gespräche bleiben online (auch hier unter „Gesprächsreihen“)und Staffel 2 (von 3) gibt es ab 21. Februar. Zum Nachsehen und Nachhören:

Nachtschicht Nr 08 aus der Alten Schmiede in Wien – 29.1.2021 Ali Dönmez und Maria Lodjn sprechen mit Oliver Scheiber

Thema: Bildung und Integration

Nachtschicht Nr 06 aus der Alten Schmiede in Wien – 27.1.2021 Nikolaus Habjan spricht mit Oliver Scheiber

Thema: Kunst und Gesellschaft

Nachtschicht Nr 04 aus der Alten Schmiede in Wien – 25.1.2021

Ghassan Abdollah und Fatemeh Jafari sprechen mit Oliver Scheiber

Thema: Ankommen in Österreich

Nachtschicht Nr 02 aus der Alten Schmiede in Wien – 23.1.2021

Alexandra Maritza Wachter spricht mit Oliver Scheiber

Thema: Journalismus

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Alternativen, Chancen, neue Allianzen

Beitrag für den Sammelband „Virenregime – Wie die Coronakrise unsere Welt verändert. Befunde, Analysen, Anregungen.“ (Hrsg: Thomas Schmidinger, Josef Weidenholzer, bahoebooks, Wien, 2020). 

Sammelband hier bestellen.

  1. Die Welt vor Corona

Unsere Welt hat eine rasche neoliberale Wirtschaftsentwicklung erfahren. Diese Entwicklung geht bis zum Jahr 1989 zurück. Bis dahin standen sich zwei unterschiedliche Systeme gegenüber. Das Jahr 1989 markierte einen Umbruch: in der Sowjetunion und ihren osteuropäischen Partnerstaaten fielen die kommunistischen Regierungen, die Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme dieser Staaten erlebten in der Folge eine radikale Veränderung. Im Kern steht 1989 vor allem für den Sturz autoritärer Regime. Nichtsdestotrotz wurde das Jahr 1989 in der Erzählung der westlichen Welt zum Versagen der sozialistischen Idee umgedeutet, fataler noch, als Scheitern der Idee der Solidarität interpretiert. Der Neoliberalismus mit seinen Protagonist*innen Thatcher, Blair, Schröder, Schüssel und Berlusconi brach sich die Bahn und unterwarf die Politik der Wirtschaft. Konzerne und eine kleine reiche Schicht machten sich Politik und Weltbevölkerung untertan. Social Media, Fernsehen, billige Kleidung und Smartphones lenken die Bevölkerung von der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen und von unfairen Lebensverhältnissen ab und lassen sie bei Wahlen Alternativen, Chancen, neue Allianzen weiterlesen

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Zangen, Flaggen und Gebete – unterwegs in eine neue Welt

Österreich 2020 – Ein Jahresrückblick in neun Bildern

 

„Für viele ist die Erkenntnis vielleicht schmerzlich – aber auch die Moral ist saisonbedingt und unterliegt der Mode.“ (Federico Fellini)

Mehr als 4 Millionen Euro pro Monat gab die aktuelle österreichische Bundesregierung in diesem Jahr pro Monat (!) für Inserate, TV-Spots, Radiowerbung und Social-Media-Kampagnen aus. Der Schnitt der letzten acht Jahre lag dagegen bei bloß 1,8 Millionen Euro im Monat. Österreich gibt in absoluten Zahlen ähnliche Beträge wie das zehn Mal größere Deutschland aus. Die Gelder fließen als verdeckte Medienförderung überwiegend in die großen Boulevardmedien. In Zukunft soll dieses System weitergetrieben werden: erst kürzlich schrieb die Regierung ein Vier-Jahres-Werbebudget über 210 Millionen Euro aus. (Quelle: und Details: Der Standard).

Österreich im Jahr 2020, das ist die Geschichte einer Entwicklung, die von einer sachorientierten Informationsarbeit der Verwaltung wegführt und sich in Richtung einer Regierungspropaganda im Sinne Orbans und Trumps bewegt. Einer Entwicklung, die Zangen, Flaggen und Gebete – unterwegs in eine neue Welt weiterlesen

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Missstand Maßnahme

Kommentar der Anderen für den Standard vom 21.12.2020

Ein banal klingendes Verhalten bringt eine psychisch kranke Frau in den Maßnahmenvollzug. Ihr Fall ist kein Einzelfall, sondern repräsentativ für die Zustände. Eine Reform des Maßnahmenvollzugs ist längst überfällig.

Oliver Scheiber

Maßnahmenvollzug bedeutet die zeitlich unbegrenzte Einweisung von psychisch kranken Menschen in eine Justizeinrichtung. Voraussetzung ist ein Anlassfall, ein strafbares Verhalten. Dieses Verhalten klingt in dem vom Falter jüngst öffentlich gemachten Fall von Brigitta P. banal. Die 63-jährigen Pensionistin leidet seit ihrer Jugend an paranoider Schizophrenie. Sie hat mehrere Selbstmordversuche hinter sich. Diesen Sommer litt sie unter der Einsamkeit infolge der Corona-Maßnahmen. Eines Abends ruft sie am Balkon: „Holt’s die Feuerwehr, holt’s die Rettung oder ich zünd das Papier an und dann brennt das ganze Haus. Papier brennt, Papier brennt. Ruft’s die Feuerwehr. Hilfe, Hilfe!“. Missstand Maßnahme weiterlesen

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Die Korruptionsbehörden müssen lästig sein

Kommentar für den falter 50/20 vom 11.12.2020

In Wirtschaftsdelikten steht eine aufmunitionierte Verteidigung einer unzureichend dotierten Staatsanwaltschaft gegenüber. Nicht einmal Wlan im Gerichtssaal ist selbstverständlich. Dabei sichern Behörden wie die WStA die Demokratie im Land ab.

OLIVER SCHEIBER
MEINUNG, FALTER 50/20 VOM 11.12.2020

Die Staatsanwälte im BUWOG-Prozess Alexander Marchart und Gerald Denk | Foto: APA/Roland Schlager

Die Verurteilung in einem Strafverfahren wegen Wirtschaftskriminalität oder politischer Korruption hat in Österreich meist zufolge, dass die frisch verurteilten Personen in Massenmedien ein Forum finden. Dort legen sie in oft emotionsgeladenen Reportagen oder denkbar unkritisch angelegten Interviews ihre Sicht dar. Keine andere Tätergruppe erhält diesen Raum – tausende Menschen werden jedes Jahr in Österreich verurteilt, aber welcher nicht breit bekannte Manager oder Geschäftsführer, geschweige denn welcher Einbrecher oder Gewalttäter kann schon unhinterfragt seine Zweifel an Verfahren, Rechtssystem und Ermittlungen einem Massenpublikum ausbreiten. Dazu kommt, dass

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