Schlagwort-Archiv: Recht

Die Hüter der Ruinen – zum Wirken der Juristinnen und Juristen. In Würdigung von Alfred J. Noll.

Im Mai 2026 erschien zur Würdigung von Alfred J. Noll (1960-2026) der Band Der Citoyen als Revolutionär. Zur Widerständigkeit des Rechts. Alfred J. Noll. Eine Würdigung im Verlag bahoe books.

Titelbild zu diesem Beitrag: Alfred J. Noll gemalt von Josef Schützenhöfer

Nachstehend mein Beitrag zu diesem Band.

Das unerwartete Ableben Alfred Nolls macht seine Würdigung zur selten schmerzvollen Aufgabe. Der große Respekt, der nahezu alle Nachrufe durchzieht, zeigt, welch große Lücke Alfred Noll hinterlässt. Alfred Nolls Leistungen, seine Werke, sie sind umfangreich und vielfältig, unüberschaubar geradezu. Die Forschungen Alfred Nolls zum Recht und zur Literatur, seine gesellschaftskritischen und philosophischen Texte, seine anwaltliche Tätigkeit, das Engagement in der Berufsvertretung und seine Tätigkeit als Abgeordneter im Parlament, all das verschafft Alfred Noll ein Alleinstellungsmerkmal in der österreichischen juristischen Fachwelt und Öffentlichkeit. Alfred Noll zählt ohne Zweifel zu den prägenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens des Landes. Die Hüter der Ruinen – zum Wirken der Juristinnen und Juristen. In Würdigung von Alfred J. Noll. weiterlesen

«In dieser Umgebung verschlossen ihm Ehrfurcht und Angst den Mund.»

«In dieser Umgebung verschlossen ihm Ehrfurcht und Angst den Mund.»

Sprache und Recht

(Anm.: dieser Text erschien in der Literaturzeitschrift wespennest Nr. 179 im November 2020. Die Ausgabe hat das Schwerpunktthema „Sprache“. Mehr zu wespennest hier: http://www.wespennest.at/w_zeitschrift.php.)

 

Sprache war gesellschaftspolitisch immer ein Machtfaktor. Unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, ob Juristinnen und Juristen, Spekulanten, Jugendgangs oder die gerade politisch Mächtigen entwickeln eigene sprachliche Codes, die zusammenschweißen und identitätsstiftend wirken. Sie grenzen sich in ihrer Sprache ab, um unter sich zu bleiben. Das Beherrschen der sprachlichen Feinheiten ist Voraussetzung zum Eintritt in eine Gruppe. Das gilt auch für Berufsgruppen. Wir können eine Gärtnerei aufsuchen, eine Schlosserei, einen Schlachthof, eine Spitalsambulanz oder ein Gericht: Überall stoßen wir auf uns fremde Worte, Phrasen und Codes. Unangenehm wird das dort, wo wir von einer Berufsgruppe im besonderen Maße abhängig sind und dringend verstehen wollen, was vor sich geht: Erläutert uns die Ärztin unsere Erkrankung und Behandlungsalternativen in unverständlicher Fachsprache, erklärt uns die Richterin im Prozess um die Wohnungskündigung das Urteil in uns unbekannten Fachworten, so ist das nicht nur demütigend, sondern kann dramatische Folgen haben, wenn wir keine Unterstützung finden.

Sprache ist also ein Machtfaktor, denn ihr Nichtbeherrschen erzeugt Ohnmacht. «In dieser Umgebung verschlossen ihm Ehrfurcht und Angst den Mund.» weiterlesen